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12.01.2021, 10:01 Uhr | Tagesspiegel Background
Mein Porträt beim Tagesspiegel Background
Klimaschutz muss realistisch und bezahlbar sein, findet Martin Bäumer, der umweltpolitische Sprecher der CDU im niedersächsischen Landtag. Wer von einem nahen Windrad profitiere oder Zugang zu einem guten ÖPNV habe, lasse sich für die Energiewende begeistern, sagt er.
„Mein Interesse für die Umweltpolitik sitzt bei mir ganz tief“, sagt Martin Bäumer. „Ich glaube – auch aufgrund meiner Religion – dass wir Menschen verantwortlich für die Schöpfung sind und so wenig wie möglich kaputt machen sollten.“ Seit 2008 ist der 53-jährige Katholik umweltpolitischer Sprecher der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion, seit 2017 vertritt er außerdem die Themen Umwelt und Petitionen als einer der sechs stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden.

Beim Thema Nachhaltigkeit ist es ihm wichtig, immer „ein wenig eher dran zu sein als die Anderen“. Auch wenn ihm das in der Vergangenheit schon den Spott der Kollegen einbrachte: „Ich war 2006 der erste, der mit einem Hybrid auf den Landtagsparkplatz vorgefahren ist. Was damals nicht gut ankam, war, dass das Auto aus Japan kam.“ Im VW-Land Niedersachsen ein Affront. Aber die Zeiten ändern sich, und seit Bäumer Elektroauto fährt, ziehen einige Kollegen sogar nach.

Nüchterner Umweltschutz
Für einen „ideologischen“ Umweltschutz ist Bäumer allerdings nicht zu haben, ihm gehe es darum objektiv zu bleiben, sagt er. In Niedersachsen gibt es aktuell eine Diskussion über die wachsende Wolfspopulation. Bäumer hat sich klar positioniert und fordert einen kontrollierten Abschuss. „Man muss dem Wolf eine Grenze setzen.“

Bäumer wurde im US-Bundesstaat New York geboren. Mit der Partnergemeinde seines Heimatortes Glandorf pflegt Bäumer, der auch den amerikanischen Pass besitzt, eine enge Beziehung. Er sagt, wenn in Amerika der Wolf eine Flinte sieht, wisse er Bescheid, dass Gefahr drohe. In Deutschland sei das anders, und wenn Landkreise wie Celle eine höhere Wolfspopulation habe, gelte es zu handeln.

Auch als Vorsitzender des Arbeitskreises „Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz“ ist ihm der nüchterne Blick auf die Themen wichtig – eine Prägung, die Bäumer auch über seine frühere Karriere als Sparkassenbetriebswirt erklärt. In diesem Jahr bestimmte die Novellierung der Naturschutz- und Wasserschutzgesetze die Tätigkeiten der Arbeitsgruppe. „Auch um dem Volksbegehren Artenvielfalt den Wind aus den Segeln zu nehmen und zu zeigen, die Politik kann das auch selber.“

„Die Last der Energiewende trägt der ländliche Raum“
Bäumer ist für die Energiewende, trotzdem sagt er, dass diese auch bezahlbar sein soll. In der Stadt sei es leichter, sich klimafreundlich vorzubewegen, als auf dem Land. Wegen der Erfahrungen, die seine Kinder auf dem Schulweg gemacht haben, hat er sich für ein günstiges Landkreisticket eingesetzt, damit die nicht auf einen Roller oder ein Auto umsteigen. Trotzdem müsse sich ein öffentlicher Personennahverkehr auch finanzieren lassen, sagt er. „Die Last der Energiewende trägt nicht der Städter in Hannover, der im dritten Stock wohnt und freitags protestieren geht, sondern der ländliche Raum.“ Seine Gemeinde habe, was Windenergie angeht, einiges Potenzial. Das Verständnis der Bürger für das Windrad vor der Tür ließe sich erhöhen, da ist sich Bäumer sicher, wenn diese davon auch selbst etwas haben. „Momentan ist es ja so, dass sie als örtlicher Bürger kaum die Möglichkeit haben von einer Windkraftanlage zu profitieren, denn der Strom wird direkt ins Hochspannungsnetz eingespeist und dann ist er weg.“

Vorsicht vor Wunderlösungen
Im Energiesektor entdeckt Bäumer viele scheinbare Wunderlösungen. Gerade sie motivieren ihn, mit seiner Politik weiterzumachen: „Manchmal muss man auch die Stimme erheben und darauf hinweisen, dass vieles, was wir machen, völliger Blödsinn ist. Wenn ich mit dem Elektroauto zum Bäcker fahre, anstatt zu Fuß zu gehen, macht es das kein bisschen besser.“ Ein Zitat, das ihn persönlich bewegt, stammt vom österreichischen Naturforscher Viktor Schauberger: „Alles Natürliche ist leise, einfach und billig.“ Schaubergers Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten sieht Bäumer natürlich kritisch. Dennoch plädiert er dafür, sich auf einfache Lösungen als Schlüssel zu einem nachhaltigen Leben zu besinnen. David Renke

Wer rettet das Klima? Die Politik oder der Einzelne?
Jeder Einzelne von uns. Die Politik kann den Rahmen setzen, aber wir werden ohne die Beteiligung der Menschen scheitern. Frei nach dem französischen Schriftsteller Antoine de Saint-Exupery ist es die Aufgabe der Politik, den Menschen die Sehnsucht nach einer gesunden Natur zu lehren.

Auf welchen Flug würden Sie nie verzichten?
Auf den Flug zur Geburt meiner Enkelkinder. Wer weiß, wo meine Kinder und ihre Partner in Zukunft leben wollen. Vielleicht sind wir dann schon so weit, dass wir mit klimaneutralen Antrieben fliegen können.

Wer in der Energie- und Klimawelt hat Sie beeindruckt?
Mein Vater. Weil er schon vor über 35 Jahren mit einfachsten Mitteln als Handwerker mit einer Wärmepumpe die warme Luft aus dem Garten zum Heizen genutzt hat. Das Ding hatte nur einen Nachteil: Es war fürchterlich laut.

Welche Idee gibt der Energiewende neuen Schwung?
Synthetische Kraftstoffe aus Abfällen oder Windenergie. Damit können wir die vorhandenen Kraftfahrzeugmotoren und die Kraftstofflogistik weiter nutzen und reduzieren gleichzeitig den ökologischen Fußabdruck.
 
Quelle: Tagesspiegel Background
Das Porträt gibt es auch hier: https://background.tagesspiegel.de/energie-klima/martin-baeumer

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