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02.07.2018, 10:32 Uhr
Bäumer: Hoffnung für lärmgeplagte Anlieger der Borgloher Straße?
Motorradlärm-Displays in Baden-Württemberg und Bayern zeigen Wirkung
Aktuelle Recherchen des Glandorfer Landtagsabgeordneten Martin Bäumer geben Grund zur Hoffnung für die lärmgeplagten Anlieger der Borgloher Straße. Aktuelle Informationen des Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung von Baden-Württemberg und aus Bayern zeigen, dass es Möglichkeiten gibt, auf Motorradlärm Einfluss zu nehmen. Ein Pilotprojekt mit Leitpfostenzählgeräten hat gezeigt, dass diese Leitpfostenzählgeräte nicht nur zur Erfassung der Geschwindigkeit, sondern grundsätzlich auch zur Lärmmessung verwendet werden können.
Glandorf - „Das Thema Motorradlärm in meinem Wahlkreis bewegt mich sehr. Darum habe ich aktuelle Recherchen angestellt, ggf. doch noch Hilfe für die Anlieger zu bekommen“, erklärt der Landtagsabgeordnet Martin Bäumer. „Ich habe mit den Lärmschutzbeauftragten der Landesregierungen in Baden-Württemberg und Bayern Kontakt aufgenommen, die eine Vorreiterrolle zum Thema Bekämpfung von Motorradlärm eingenommen haben.“

Das Land Baden-Württemberg hat für die Durchführung der turnusmäßigen Straßenverkehrszählungen zur automatisierten und fehlerfreien Erhebung der Verkehrsdaten so genannte Leitpfostenzählgeräte entwickelt. Mit Ihnen können an allen Zählstellen neben der Anzahl der Fahrzeuge auch die Geschwindigkeiten der jeweiligen Fahrzeuge erfasst und ausgewertet werden. Für die Unterscheidung der Fahrzeugklassen werden ein Radarsensor und ein Mikrofon eingesetzt, die in dem Leitpfosten eingebaut sind. Mit einem Radarsensor werden Anzahl, Länge und Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Fahrzeuge erfasst. Das Mikrophon kann zusätzlich die Motoren- und Abrollgeräusche ermitteln und so die Lage des Motors sowie Anzahl und Position der Achsen des Fahrzeuges bestimmen. Dadurch können acht Fahrzeugklassen (Motorrad, Pkw, Lieferwagen, Pkw mit Anhänger, Lkw, Lkw mit Anhänger, Sattelzug und Bus) unterschieden und gezählt werden. Die Leitpfostenzählgeräte sind in Baden-Württemberg seit dem Jahr 2010 im Einsatz.

Ein Pilotversuch hat gezeigt, dass die Leitpfostenzählgeräte nicht nur zur Erfassung der Geschwindigkeit, sondern grundsätzlich auch zur Lärmmessung verwendet werden können. Im Auftrag des Ministeriums für Verkehr wurde daher die Idee eines Motorradlärmdisplays auf Motorradstrecken erprobt und zur Praxisreife entwickelt. Mit den Motorradlärmdisplays können Motorradfahrende mit lärmerhöhender und/oder zu schneller Fahrweise identifiziert, über die Displayanzeige unmittelbar angesprochen und zu einer moderaten Fahrweise aufgefordert werden.

Standardmäßig misst das Dialog-Display mit dem Frontradar die Geschwindigkeit aller zufahrenden Fahrzeuge. Bei einer Überschreitung des Tempolimits erfolgt die Rückmeldung „Langsam!“ und bei Einhaltung des Tempolimits die Rückmeldung „Danke“. Wird jedoch vom Leitpfostenzählgerät ein Motorrad erkannt, das mit überhöhter Lautstärke auf das Dialog-Display zufährt, erscheint die Aufforderung „Leiser!“.

Die Lärmwerte konnten während des Probebetriebs der Motorradlärmdisplays auf verschiedenen Motorradstrecken in Baden-Württemberg im Mittel um 1,1 bis 2,2 dB(A) abgesenkt werden, wobei die Anteile der Motorräder mit besonders hohen Schallpegeln in der Gruppe der 10 Prozent lautesten Motorräder, die als besonders unangenehm und störend wahrgenommen werden, um 40 Prozent (zwischen 27 und 48 Prozent) verringert werden konnten. Durch den Einsatz der Motorradlärmdisplays, die auch zu schnelle Fahrzeuge erfassen und bei einer Überschreitung des Tempolimits die Aufforderung „Langsam!“ anzeigen, konnten die mittleren Geschwindigkeiten der Motorräder im Mittel um 4 km/h (zwischen 1,7 und 6,2 km/h) abgesenkt werden. In Bayern gab es ähnliche Ergebnisse.

Damit können Kommunen und Verkehrsbehörden jetzt die zur Serienreife entwickelten Motorradlärmdisplays beim Hersteller in eigener Zuständigkeit beschaffen und einsetzen.

„Ich habe mit dem Hersteller der Motorradlärmdisplays Kontakt aufgenommen. Bevor über eine Anschaffung eines Motorradlärmdisplays nachgedacht werden sollte, gibt es ein Mietangebot mit dem Ziel, Informationen über die Verkehrsbelastung zu erhalten. Insbesondere die Anzahl der Motorräder, deren Geschwindigkeiten und deren DB-Emissionen können ermittelt werden. Ein solches Mietgerät würde über 2 Wochen unter 1.000 Euro kosten. Um endlich verwertbare Daten über die Anzahl und Lautstärke von Motorrädern auf der Borgloher Straße zu erhalten, eine sicherlich lohnende Investition“, sagt Martin Bäumer.

„Ich appelliere an alle Behörden, verwertbare Daten zu schaffen um dem Lärm an den Kragen zu gehen. Lärm macht krank. Lärmbelastungen können dem bundeseigenen Robert-Koch-Institut zufolge Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arterienverkalkung verursachen, außerdem Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinfarkte“, sagt Martin Bäumer. „Solche Motorradlärm-Displays werden bereits erfolgreich in mehreren Bundesländern eingesetzt, in Niedersachsen jedoch an keiner einzigen Stelle. Das muss sich ändern.

Alle Beteiligten sollten sich mit den Anliegern zusammensetzen und über die Anschaffung solcher Geräte sprechen. Es braucht für die Anwohner endlich eine Perspektive“, erklärt Bäumer.

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