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03.06.2020, 11:08 Uhr | Baurundblick Mai 2020
Bau-Perspektiven: Im Gespräch mit Dirk Toepffer und Martin Bäumer
Baurundblick: In Niedersachsen sollen einige Bestimmungen der Bauordnung zur Barrierefreiheit für fünf Jahre ausge­setzt werden. Diese Regelungen gelten jedoch nur für Neuumbauten, die auf Baulücken stehen. Wo sehen Sie hier weiteres Potenzial?

Martin Bäumer: Nach unserer Auffassung kann durch die zeitlich begrenzte Aus setzung entscheidender Bestimmungen in der niedersächsischen Bauordnung, die Schaffung von Wohnraum deutlich erleichtert werden. Insbesondere bei den Punkten „Kinderspielplätze“ und „Stell­plätze“ sehen wir Potenzial, welches der Schaffung von Wohnraum zugutekom­men kann. Der Rechtsaspekt der Barriere­freiheit sollte nach unserer Auffassung jedoch nicht aufgegeben werden. Eine Aussetzung der Barrierefreiheit würde möglichenfalls in diesem Bereich zu einer kurzfristigen Entlastung der Bauwirt­schaft führen, jedoch das Problem von ausreichend vorhandenen barrierefreien Wohnraum nur um mehrere Jahre ver­schieben. Die kommende Altersstruktur in Niedersachsen hat zur Folge, dass der Bedarf an barrierefreiem Wohnraum weiter steigen wird. Weiteres Potenzial zur Schaffung von Wohnraum besteht nach unserer Auffassung bei der Aus­setzung von Kompensationsmaßnahmen und bei dem Abbau von Bürokratie.
Baurundblick: Das Aufstocken von Gebäuden zur Schaffung von Wohnraum wird seit langem diskutiert. Inwieweit könnte Niedersachsen hier eine Vorreiter­rolle spielen?

Dirk Toepffer: Fast überall ist Potenzial für die Aufstockung von Gebäudestrukturen zur Schaffung von Wohnraum vorhanden. Insbesondere in Ballungszentren würde dies eine interessante und innovative Lösungsmöglichkeit des Wohnraumman­gels darstellen. Daher ist für uns die Aufstockung von Gebäuden, natürlich nur dort wo es auch statisch möglich ist, eine sehr sinnvolle Möglichkeit. Darüber hat die Aufstockung weitere und für uns wichtige Vorteile, wie z.B. der Schutz von wert­vollen Ressourcen und die Verringerung der Bodenversiegelung.

Baurundblick: Wie kann in den ange­spannten Wohnungsmärkten der Städte Bauland für den aktuell erforderlichen Neubau aktiviert werden? Wäre es nicht ein Gedanke, dass Überschreiten der Obergrenzen des Maßes für bauliche Nutzung aus städtebaulichen Gründen zu ermöglichen?

Dirk Toepffer: Die Möglichkeit einer Über­schreitung der Obergrenze des Maßes für bauliche Nutzung aus städtebaulicher Sicht wird von uns eher zurückhaltend verfolgt. Wir favorisieren die bauliche Ausnutzung der maximalen Gebäude­höhe. Jedoch gibt es in anderen Bundes­ländern interessante Ansätze, durch welche die Überschreitung der Ober­grenze ermöglicht wird, wenn z.B. die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn­ und Arbeitsverhältnisse nicht be­einträchtigt werden. Diese Möglichkeiten sollten ruhig näher betrachtet werden.

Baurundblick: In den kommunalen Bauäm­tern gibt es zunehmend Personalproble­me, die auch dazu führen, dass die Anträge und Projekte nicht so schnell bearbeitet werden können. Welche Möglichkeiten sehen Sie, den Kommunen zu helfen?

Martin Bäumer: Eine deutliche Beschleu­nigung und Erleichterung der Antrags­bearbeitung kann durch die Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen erreicht werden. Die digitale Antragsbearbeitung ermöglicht dabei eine deutliche Arbeits­erleichterung des eingesetzten Personals und verringert somit Engpässe in den entsprechenden Bereichen. Weiterhin bedarf es aber einer bedarfsorientierten Einstellung von Fachkräften. Dies kann durch eine entsprechende Erhöhung der Ausbildungskapazitäten gewährleistet werden. Digitalisierungsmaßnahmen und am Bedarf orientierte Ausbildungskapazi­täten, können auch zukünftige Personal­probleme lösen.

Baurundblick: Welche Möglichkeiten gibt es, das Fehlen von geeignetem und preis­günstigem Bauland in Ballungszentren zu kompensieren?

Martin Bäumer: Hier gilt ganz eindeutig die Devise „Raus aufs Land“. Die Kluft z.B. beim Bauland zwischen Ballungszentren und dem ländlichen Raum wird zuneh­mend zu einem Problemfaktor, den es zu lösen gilt. Preisgünstiges Bauland auf dem Land, kann nur dann wirklich kom­pensierend wirken, wenn Faktoren wie die Schaffung von gleichwertigen Lebensver­hältnissen auf dem Land, der Ausbau der digitalen Angebote, die Verbesserung der Infrastruktur und eine besser Anbindung an den ÖPNV gewährleistet sind.

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