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21.10.2019, 09:01 Uhr
Nitrat im Wasser: Gesellschaft trägt Mitverantwortung
Bäumer gegen alleinige Schuldzuweisung an Landwirte
Landwirte werden gerne als Hauptverantwortliche für steigende Nitratwerte im Trinkwasser gebrandmarkt. Diese Meinung teilt der Glandorfer Landtagsabgeordnete Martin Bäumer (CDU) jedoch nicht. Er weist daraufhin, dass auch der ganz normale Bürger und die ganze normale Bürgerin ihren Beitrag zur Stickstoffanreicherung in den Gewässern leisten. „Landwirte sind nicht allein für die Belastungen im Trinkwasser verantwortlich“, sagt Bäumer. Der aktuelle Lagebericht des Niedersächsischen Umweltministeriums über die „Beseitigung kommunaler Abwässer in Niedersachsen“ spreche eine klare Sprache. Danach geben die Kläranlagen in Bad Iburg, Bad Laer, Bad Rothenfelde, Glandorf, Georgsmarienhütte und Hagen am Teutoburger Wald pro Tag 58,7 Kilogramm Stickstoff (N) an die Gewässer ab. „Es macht mir große Sorgen, dass zunehmend mehr Menschen Gefallen daran finden, unsere Landwirte für das anzuklagen, was in der Natur schiefläuft. Dabei haben wir alle unseren Anteil daran“, so Bäumer.
Glandorf - Hochgerechnet auf ein Jahr bedeuteten die 58,7 Kilogramm eine Gesamtmenge von mehr als 21.000 kg Stickstoff, die durch die Toiletten der Bürgerinnen und Bürger in den sieben Städten und Gemeinden in die Gewässer gelangen und durch die Ems in die Nordsee fließen würden. Dabei kämen aus der Stadt Bad Iburg 2,5 kg pro Tag, also 912,5 kg pro Jahr. Aus Bad Rothenfelde seien es 2,7 kg pro Tag, umgerechnet 985,5 kg pro Jahr. In Bad Laer würden 13,5 kg pro Tag gemessen, also 4.927,5 kg pro Jahr. Durch die Glandorfer Kläranlage komme pro Tag 1,3 kg Stickstoff in die Oberflächengewässer, also 474,5 kg pro Jahr. Die von der Zahl der Einwohner größte Kläranlage stehe in Georgsmarienhütte und sei für 34,8 kg Stickstoff pro Jahr verantwortlich, pro Jahr also 12.702 kg. Die Hagener Kläranlage gebe pro Tag 3,9 kg Stickstoff ab, also 1.423,5 kg pro Jahr. Die Hasberger Kläranlage steht auf dem Gebiet der Stadt Osnabrück und klärt auch einen Teil der städtischen Abwässer. „Deshalb habe ich diese 9 kg Stickstoff pro Tag aus meiner Berechnung herausgenommen.“

„Nun wird der Stickstoff in unserer Landwirtschaft in der Regel durch Gülle als Dünger auf die Äcker ausgebracht. Wenn man zum Beispiel unterstellt, dass ein Kubikmeter Gülle 4,32 kg Stickstoff enthält (eine entsprechende Analyse eines Landwirtes liegt mir vor) und ein durchschnittliches Güllefass mit 18 Kubikmeter Gülle zu Grunde legt, dann werden pro Jahr durch die Kläranlagen in Bad Iburg, Bad Laer, Bad Rothenfelde, Georgsmarienhütte, Glandorf und Hagen am Teutoburger Wald mehr als 275 Güllefässer in die Oberflächengewässer im Wahlkreis eingeleitet“, hat Bäumer ausgerechnet. Dies geschehe jedes Jahr durch die Abwässer aus den Siedlungen. „Vielleicht denkt der eine oder andere einmal in Ruhe über diese Tatsachen nach, bevor er wieder einmal mit dem Finger auf unsere Landwirte zeigt“ rät der Glandorfer Landtagsabgeordnete.

Bei den Werten für Phosphor sieht es ähnlich aus. Hier sind es in Bad Iburg 1,1 kg pro Tag/401,4 kg pro Jahr, Bad Laer 0,9 kg pro Tag/328,5 kg pro Jahr, Bad Rothenfelde 1,2 kg pro Tag/438 kg pro Jahr, Glandorf 0,5 kg pro Tag/182,5 kg pro Jahr, Georgsmarienhütte 4,1 kg pro Tag/1.496,5 kg pro Jahr und Hagen am Teutoburger Wald 4,2 kg pro Tag/1.533 kg pro Jahr. Insgesamt sind diese drei Kläranlagen pro Tag für 12 kg Phosphor-Abgabe in die Gewässer, mithin 4.380 kg pro Jahr verantwortlich.

Der Landtagsabgeordnete möchte dabei nicht falsch verstanden werden: „Natürlich muss auch die Landwirtschaft ihren Beitrag zur Reduzierung der Gewässereinträge leisten.“ Aber viele Diskussionen in den sozialen Medien und auch an anderer Stelle zu diesem Thema erlebt er als wenig sachorientiert und voreingenommen. „Wer wirklich die Wasserqualität verbessern will, muss alle Ursachen in den Blick nehmen und nicht allein auf die Landwirte einschlagen“, so Bäumer.

Der Lagebericht kann im Internet unter https://www.nlwkn.niedersachsen.de/download/147436/Lagebericht_2019.pdf heruntergeladen werden.

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